Wie aus einem 200 m² großen Loft acht eigenständige Raumwelten mit einer gemeinsamen gestalterischen Idee entstanden.
Hannah Promchan7 Min.
Wohnbereich des Loftkonzepts · Visualisierung auf Basis des Gestaltungskonzepts
Bei diesem Projekt war die eigentliche Herausforderung nicht die Größe der Wohnung. Es war die Vielfalt.
Auf rund 200 Quadratmetern sollten ein großzügiger Wohnbereich, ein Schlafzimmer, drei Kinderzimmer, ein Homeoffice, ein Ankleidezimmer und ein privater Fitnessraum entstehen. Acht Bereiche mit unterschiedlichen Funktionen, unterschiedlichen Bewohnern und entsprechend unterschiedlichen Anforderungen an Atmosphäre und Nutzung.
Gleichzeitig sollten sie sich am Ende nicht wie acht voneinander unabhängige Interiors anfühlen.
Für mich stand deshalb von Beginn an eine Frage im Mittelpunkt:
Wie unterschiedlich dürfen Räume sein, damit sie trotzdem selbstverständlich zusammengehören?
Räume aus ihrer Nutzung heraus denken
Ich beginne ein Raumkonzept selten mit einer bestimmten Farbe oder einem Möbelstück. Am Anfang steht die Frage, was ein Raum ermöglichen soll – und wie er sich dabei anfühlen soll.
Ein Homeoffice braucht Konzentration und Klarheit. Ein Schlafzimmer braucht Rückzug. Ein Kinderzimmer darf Fantasie und Entwicklung zulassen. Ein Fitnessraum soll Energie geben, ohne sich wie ein Fremdkörper im eigenen Zuhause anzufühlen.
Im großen Wohnbereich wiederum ging es darum, innerhalb der offenen Architektur einen räumlichen Mittelpunkt zu schaffen.
Deshalb musste nicht jeder Raum dieselbe gestalterische Antwort bekommen. Die Verbindung entstand auf einer anderen Ebene: über wiederkehrende Materialien, ausgewogene Proportionen und eine Farbwelt, die trotz unterschiedlicher Akzente immer wieder miteinander kommuniziert.
Die Raumhöhe und offene Struktur verlangen nach einem klaren visuellen Schwerpunkt.
Warme Holzoberflächen, natürliche Textilien, dunkle Elemente und zurückhaltende Grundtöne bilden den ruhigen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens durfte jeder Raum eine eigene Persönlichkeit entwickeln.
Wandgestaltung nicht als Dekoration denken
Ein wichtiger Teil dieses Konzepts war die Gestaltung der Wände.
Tapete ist für mich interessant, wenn sie mehr leistet als nur eine Fläche zu dekorieren. Sie kann Blickachsen stärken, einem großen Raum Orientierung geben, Atmosphäre verdichten oder einem kleinen Bereich eine eigene Identität verleihen.
Für die Auswahl und Abstimmung der Tapeten habe ich bei diesem Projekt mit TenderWalls zusammengearbeitet.
Dabei ging es nicht darum, möglichst viele besondere Muster einzusetzen. Entscheidend war, welche Wandgestaltung die jeweilige Raumidee unterstützt und gleichzeitig Teil des übergeordneten Material- und Farbkonzepts bleibt.
Im Wohnbereich fiel die Wahl auf Manoa Blau von Arte. Das großformatige organische Motiv besitzt genügend Präsenz für die hohe, offene Wandfläche, ohne den Raum visuell zu überladen.
Die Wand hinter dem Sofa übernimmt dadurch beinahe eine architektonische Funktion. Sie schafft einen klaren visuellen Schwerpunkt und gibt der großzügigen Wohnfläche Orientierung.
Die Wandgestaltung wird zum räumlichen Anker, nicht zum nachträglichen Dekor.
Im Schlafzimmer funktioniert Wandgestaltung ganz anders.
Mit Alva Violett von Boråstapeter wurde hier bewusst eine weichere, florale Sprache gewählt. Die Wand bekommt Tiefe und Charakter, ohne dem Raum seinen ruhigen und zurückgezogenen Charakter zu nehmen.
In den Kinderzimmern durfte die Gestaltung wiederum stärker erzählen – mal sehr zurückhaltend und weich, mal grafischer, farbiger und spielerischer.
Unterschiedlichkeit braucht einen gemeinsamen Rahmen
Gerade bei größeren Wohnungen entsteht schnell der Wunsch, durch Wiederholung möglichst viel Einheit zu erzeugen: gleiche Farben, gleiche Materialien, gleiche gestalterische Sprache.
Für mich bedeutet Zusammengehörigkeit aber nicht Gleichförmigkeit. Wenn die übergeordnete Idee klar ist, können Räume sehr unterschiedliche Charaktere haben.
Ruhige Naturtöne und feine Motive schaffen Geborgenheit.Eine andere Persönlichkeit: grafischer, farbiger und bewusst lebendig.
Das ruhige Kinderzimmer mit hellen Naturtönen verfolgt eine vollkommen andere Atmosphäre als der farbenfrohe Kreativraum. Das Schlafzimmer wiederum funktioniert anders als der Fitnessbereich.
Trotzdem beziehen sich die Räume aufeinander. Nicht durch identische Oberflächen, sondern durch eine kontrollierte Farb- und Materiallogik und durch die Art, wie Akzente gesetzt werden.
So entsteht kein gestalterischer Flickenteppich, sondern eine Abfolge unterschiedlicher Szenen.
Vom Moodboard zur räumlichen Entscheidung
Der zeitliche Rahmen machte das Projekt zusätzlich anspruchsvoll. Zwischen Konzeption, Auswahl und Umsetzung lagen weniger als drei Wochen. Gerade unter solchen Bedingungen zeigt sich, wie wichtig eine klare gestalterische Richtung bereits am Anfang ist.
Moodboards waren dabei kein dekoratives Präsentationsmittel, sondern ein Entscheidungswerkzeug. Material, Licht, Möblierung, Farbe und Wandgestaltung konnten dadurch früh miteinander betrachtet werden.
Gerade bei der Tapetenauswahl war die Arbeit mit physischen Mustern besonders wichtig.
Eine Farbe, Struktur oder Prägung lässt sich am Bildschirm nur eingeschränkt beurteilen. Erst im tatsächlichen Raum zeigt sich, wie ein Material mit Tageslicht, künstlicher Beleuchtung, Boden, Möbeln und angrenzenden Oberflächen zusammenspielt.
Gemeinsam mit TenderWalls konnten die ausgewählten Designs deshalb nicht nur anhand digitaler Raumansichten bewertet, sondern auch in Bezug auf Materialität und reale Farbwirkung geprüft werden.
Für mich ist dieser Schritt ein wichtiger Teil einer sicheren Materialentscheidung: Ein Muster sollte dort betrachtet werden, wo es später tatsächlich eingesetzt wird – und idealerweise zu unterschiedlichen Tageszeiten.
Immer wieder ging es dabei um dieselben Fragen: Passt diese Entscheidung wirklich zur gewünschten Atmosphäre? Braucht dieser Raum einen visuellen Schwerpunkt – oder gerade mehr Ruhe? Welche Materialien verbinden die verschiedenen Bereiche miteinander? Und welche Elemente dürfen bewusst aus diesem Rahmen ausbrechen?
Je klarer diese Fragen beantwortet sind, desto weniger geht es später um einzelne Geschmacksentscheidungen. Es entsteht ein System.
Im Schlafzimmer wird die Wandgestaltung ruhiger, dichter und intimer.
Atmosphäre entsteht im Zusammenspiel
Besonders spannend an diesem Projekt war für mich, dass Wandgestaltung, Möbel, Licht und Material nie isoliert betrachtet wurden.
Die blaue Manoa-Wand im Wohnbereich funktioniert nicht allein wegen ihres Motivs. Ihre Wirkung entsteht im Zusammenspiel mit cremefarbenen Textilien, dunklem Holz, schwarzen Details und der enormen Raumhöhe.
Auch ein ruhiges Kinderzimmer entsteht nicht allein durch eine dezente Tapete. Erst das Zusammenspiel aus Holz, weichen Texturen, Licht und zurückhaltenden Farben schafft die gewünschte Geborgenheit.
Das Gleiche gilt für den Fitnessbereich. Statt ihn möglichst technisch erscheinen zu lassen, wurde er als selbstverständlicher Teil des Wohnkonzepts gedacht. Warme Terrakottatöne, Holz und eine kontrollierte Beleuchtung bilden einen bewussten Gegenpol zu den dunklen Trainingsgeräten.
So kann selbst ein funktional geprägter Raum dieselbe gestalterische Haltung transportieren wie der Rest der Wohnung, ohne seine eigene Aufgabe zu verlieren.
Auch der Fitnessbereich bleibt Teil derselben Material- und Atmosphärenlogik.
Acht Räume müssen nicht gleich aussehen, um zusammenzugehören
Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis dieses Projekts.
Eine Wohnung wirkt nicht automatisch zusammenhängend, weil sich dieselbe Farbe oder dasselbe Material in jedem Raum wiederholt. Entscheidend ist die Haltung hinter den einzelnen Entscheidungen.
Räume dürfen unterschiedliche Stimmungen entwickeln. Sie dürfen ruhig oder lebendig, zurückhaltend oder charakterstark sein.
Wenn Nutzung, Materialität, Licht und Atmosphäre aus einer gemeinsamen Idee heraus entwickelt werden, entsteht trotzdem ein Gesamtbild.
So wurden aus acht sehr unterschiedlichen Bereichen acht eigene Raumwelten – und aus ihnen ein Zuhause.
Die gezeigten Raumansichten sind Visualisierungen auf Basis des tatsächlichen Gestaltungskonzepts und der im Projekt vorgesehenen bzw. verwendeten Wandgestaltungen.